"Der Markt für Forwarder zur kombinierten Kurzholz- und Langholz-Rückung ist zu groß, als dass wir ihn nur Nischenanbietern überlassen können und wollen." Auch wenn Jörg Nuhn, Geschäftsführer des gleichnamigen John Deere Importeurs für Deutschland und Österreich zwar für viele Forstunternehmer einen normalen Forwarder plus gebrauchtem Skidder für die wirtschaftlichere Alternative hält, hat er sich mit Haas Maschinenbau einen erfahrenen Maschinenbaubetrieb mit ins Boot geholt. Auf der Interforst in München Mitte Juli wurde deutlich, dass sich die Kombimaschinen etabliert haben. Neue Lösungen waren auf den Ständen von Pfanzelt, Kotschenreuther und Welte zu sehen.
Auf den ersten Blick ist es ein weiteres Exemplar im großen Forwarder-Spiel. Beim genaueren Hinsehen offenbart der neue Welte W240 Titan, dass seine Wiege bei Deutschlands ältestem Forstschlepper-Hersteller steht. Mit zwei Türen und einem in jeder Stellung rastbaren, elektrischem Drehsitz bekommt man auch einen eingefleischten Skidder-Fahrer in die Achtradmaschine. Besonders stolz ist man bei Welte auf das großzügige Raumangebot der neuen Kabine. Der W240 wird von einem Deutz 6-Zylinder mit 235 PS angetrieben. Der hydrostatische Antrieb "Welmatic" sorgt für maximal 40 km/h im zweiten Gang. Wie sehr der W240 als Universalmaschine für den Alleinunternehmer gedacht ist, zeigt sich auch an der abschaltbaren hinteren Achse – schließlich muss häufig auf eigener Achse umsetzt werden. Die 2x10 to Doppeltrommelwinde HZM 15fasst 2x130 m Seil. Vermutlich um Platz für die Winde zu schaffen, musste der Steuerblock für die Kran weichen und ist nun an der Kransäule montiert – für einige Messebesucher ein Kritikpunkt. Mit einer Gesamtlänge von 10,24m ist die Welte-Maschine im Kreis der 12-14 to-Forwarder überdurchschnittlich lang. Auffallend ist auch der weite Achsabstand. Allerdings kann bietet der W240 mit einem 5m langen Rungenkorb für eine Kombi-Maschine auch überdurchschnittlich viel Platz (zum Vergleich: HSM 208F Kombi: 3,83 m; HSM 904F Kombi: 3,98m). Der Rungenkorb kann wie von der bekannten Sechsrad-Kombimaschine W210 komplett abgenommen und durch eine 2 qm-Klemmbank ersetzt werden. Bei der Klemmbank setzt Welte auf die bewährte Konstruktion von Burger.
"Für das erste Produktionsjahr planen wir drei bis fünf Maschinen", kalkulierte Welte-Geschäftsführer Werner Nühnen auf der Messe vorsichtig. Der auf der Messe gezeigte Prototyp wird nun bei eingefleischten Welte-Kunden auf Herz und Nieren geprüft, aktuell laufen die Testeinsätze in Todtnau im Schwarzwald.
"Mein Förster würde mir sofort die Aufträge entziehen, wenn ich mit einer zu großen Maschine komme." Für Martin Benkert, Forstunternehmer in Zellingen bei Würzburg, hat die neue Sechsrad-Maschine "Kombi 14.6" von Kotschenreuther genau die richtige Größe (siehe auch IHB-Artikel vom 2.8.2006 - "Forsttechnik: Gigantomanie bei Skiddern") . Künftig ergänzt der Forstunternehmer seinen Forstschlepper Kotschenreuther 125 um die universell einsetzbare Kurzholzmaschine mit 12 to Nutzlast. Schwerpunktaufgabe wird weiterhin die Rückung von Laubholz aus motormanuellem Einschlag sein. Das zweite Exemplar geht an das Forstunternehmen Bjelic in Großostheim bei Aschaffenburg.
Manch ein Mitbewerber blickte etwas despektierlich auf die Konstruktion herab, man fühlte sich an die ersten Forwarder-Versuche der 60er Jahre in Skandinavien erinnert. Man muss dem fränkischen Maschinenbauer aber attestieren, dass er mit dem "Kombi 14.6" einen Gegengewicht zu den immer größeren Skiddern bildet. Für den Vorderwagen setzt Kotschenreuther weiter auf die bekannte John Deere Technik. Der aus Landwirtschaftschleppern (John Deere 6020) stammende 4-Zylinder mit 140 PS beschleunigt das Gefährt auf 40 km/h. Der Kraftschluss erfolgt über das stufenlose John Deere AutoPowr- Getriebe. Der an die John Deere Hinterachse angeflanschte Hinterwagen war auf der Messe noch ein modifizierter Kronos-Rückewagen. In der Original-Ausführung wird der Rückewagen mit 16 to Nutzlast nicht wie üblich an einen Traktor gehängt, sondern mittels einer Y-Deichsel direkt an der Hinterachse befestigt. Ein Knickgelenk ist bereits werksseitig an dem Rückewagen vorhanden. Allerdings hat sich Kotschenreuther nun entschieden, den Hinterwagen von wenigen Teilen abgesehen selber zu bauen, darunter auch ein eigenes Knickgelenk. Die Ladefläche ist zwischen 4,3m und 5,1m stufenlos hydraulisch verstellbar. Der Antrieb des Rückewagens über die Gelenkwelle wird bei der Straßenfahrt inklusive Vorgetriebe abgekuppelt. Statt des serienmäßigen Kronos-Krans verwendet Kotschenreuther allerdings einen Loglift F71mit 7,2m Reichweite, 99 kNm Brutto- sowie 75 kNm Nettohubmoment und 24,4 kNm Schwenkmoment. Die Achsen stammen von NAF.
Eugen Kotschenreuther hat für 2007 sind vier Stück der in der Basisversion (absenkbares Heckschild, Klemmbank, Funksteuerung und Fahrfunk sind Sonderaustattungen) 247.000 € teueren Maschine geplant.
Nachdem man bei Pfanzelt seit 2001 versucht, die vierrädrige Kombi-Maschine "Felix" auf dem Markt zu positionieren, präsentierte man auf der Interforst die Sechsrad-Version mit NAF-Bogie. Die 180 PS Maschine hat einen abschaltbaren Sechsrad-Antrieb und erreicht so 40 km/h. Beim Getriebe setzt das Allgäuer Unternehmen wie Werner auf das S-Matic von ZF. Das Viergang Planetengetriebe ermöglicht einen stufenlosen Antrieb. Beim Umschalten zwischen den vier mechanischen Stufen werden die Kupplungen überlappend geschlossen und geöffnet.
Der Rahmen des "Felix" ist um 1,2m teleskopierbar. Pfanzelt hat für den Universaleinsatz eine 2x8to Winde und die Rückezange RZ 7185 mit 8,5 m Reichweite, 32 kNm Schwenkmoment und 81 kNm Nettohubmoment montiert.
"Kombimaschinen sind für uns kleine Hersteller überlebenswichtig", hebt Jürgen Noe vom gleichnamigen Maschinenbaubetrieb die Bedeutung hervor. Von seiner Vierrad-Kombimaschine KL 100 will er in diesem Jahr insgesamt sieben Stück bauen. Vom 2004 auf der KWF-Tagung vorgestellten NF 210 sollen drei Stück ausgeliefert werden. Hohe Erwartungen hat Noe dabei Besonders an Exportmärkte wie Frankreich oder Russland. Auf der Interforst in München zeigte er den NF 210 mit einer neuen Klemmbank-Version. Für Unternehmer mit hohem Langholzanteil empfiehlt sich der lange Radstand mit 5,3 m. Bei zu kurzem Radstand schieben den Maschinen ansonsten geradeaus.
Noe stattet den 14 Tonner serienmäßig mit 2x8 to Winde von Ritter, Loglift F111FT100 Kran, Klemmbank und 700er Bereifung aus. Der Preis liegt unter 250.000 €. Der in zahlreichen Skiddern eingesetzte Iveco-Motor leistet 230 PS (810nM bei 1250 U/min). Mit 35 km/h kann der NF 210 auch gut im Kreis der 40 km/h schnellen Kombimaschinen mithalten.
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